Green Workplace Projects des TUC in Großbritannien

Als Dachverband der britischen Gewerkschaften ist der Trade Union Congress (TUC) das Sprachrohr der britischen ArbeitnehmerInnen schlechthin. Der TUC, welchem 54 Gewerkschaften und somit 6,2 Millionen Beschäftigte angehören, entwickelte sein Engagement für Klimapolitik kontinuierlich und wurde ein zentraler Akteur in Großbritannien. Im Zentrum steht die Forderung nach einer Reduktion schädlicher Klimagase bei gleichzeitiger Schaffung von zusätzlichen Jobs.

Mit dem Projekt „Grüne Arbeitsstätten“ („Green Workplaces projects“) und der Erstellung eines Netzwerks an Umwelt-Repräsentanten, „Green Reps“ genannt, entstanden Pionierinitiativen, welche den Schwerpunkt des Klimaengagements des TUC darstellen. Die kontinuierlich wachsende Initiative umfasst mittlerweile 1.200 Green Reps im öffentlichen wie im privatwirtschaftlichen Sektor. Könnten weitere Umwelt-Repräsentanten in tatsächlich jeder Firma ernannt werden, würde sich diese Zahl vervielfachen.

Im Rahmen von Unions4Climate, einer Initiative des Internationalen Gewerkschaftsbunds (ITUC – Internationalen Trade Union Confederation), sagte der TUC zu, sich bei der britischen Regierung für eine Reduktion von schädlichen Klimagasen, für mehr grüne Jobs und für mehr Energieeffizienz verstärkt einzusetzen. Diese Forderungen gewinnen umso mehr an Bedeutung, wird berücksichtigt, dass Großbritannien als Wiege der Industrialisierung im globalen Vergleich am meisten Treibhausgase pro Kopf bis dato freisetzte. Heutzutage emittiert Großbritannien mehr als 570 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr und zählt damit zu den zehn größten Umweltverschmutzern der Welt. Besonders die Sektoren Energie, Bauwirtschaft, Industrie und Transportwesen emittieren viele Treibhausgase.

Während der Energiesektor gegenwärtig um 23% weniger Emissionen als im Jahr 1990 hauptsächlich wegen der vermehrten Substitution von Kohle durch Gas in den 1990ern ausstößt, wird erwartet, dass die Elektrizitätsnachfrage zwischen 2010 und 2030 um 22% steigen wird. Somit wird voraussichtlich mehr emittiert werden, sofern die Politik nicht gegensteuert.

Mit Unions4Climate hat sich der TUC dem nationalen Ziel eines im Wesentlichen kohlenstoff-freien Energiesektors verschrieben. Diese Strategie der „Dekarbonisierung“ würde bedeuten, die Kohlenstoffintensität von heutzutage 500 Gramm CO2 pro Kilowattstunde auf 50-100 Gramm im Jahr 2030 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte die britische Regierung zum einen die Attraktivität von emissionsarmen Technologien bei Investoren erhöhen, zum anderen sollte sie Maßnahmen ausarbeiten, wie energieintensive Branchen der britischen Wirtschaft unterstützt werden können, die Umwelt weniger zu belasten.

Selbstverständlich sollten diese Forderungen im Lichte der aktuellen hohen Arbeitslosigkeit, ein Resultat der wirtschaftlichen Rezession und der danach folgenden Austeritätspolitik, verstanden werden. Die Arbeitsmarktstruktur hat sich ebenfalls drastisch verändert: Sowohl die Anzahl der Selbständigen, als auch die Häufigkeit von Null-Stunden-Verträge (Arbeit auf Abruf, wie sie in Großbritannien relativ weit verbreitet ist) und die Verbreitung von Teilzeitarbeit steigt. Daher fordert der TUC Maßnahmen zur Förderung von emissionsarmen Technologien wie etwa Windkraftwerke und Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung und -Speicherung. Dies würde die Arbeitslosigkeit bekämpfen, wissensintensive und gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig dem Klimawandel entgegenwirken.

Bereits im Jahr 2009 wurden diese Forderungen im Bericht „Ein Budget für Jobs und grünes Wachstum“ („A Budget for Jobs and Green Growth“), worin insgesamt ein Investitionsvolumen von 16,8 Milliarden Pfund für grüne Jobs im öffentlichen Sektor gefordert wird, der Regierung vorgelegt.

Darüber hinaus wurde in Großbritannien die „Eine Million Klima-Arbeitsplätze“(„One Million Climate Jobs“)-Initiative im Zuge der „Kampagne gegen den Klimawandel“ („Campaign Against Climate Change“ – CACC) ins Leben gerufen. Innerhalb dieser Initiative treten Gewerkschaften mit dem TUC und weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren für die Schaffung von einer Million Arbeitsplätzen in den Bereichen erneuerbare Energie, Wohnbaurenovierung, öffentlicher Verkehr, Industrie und Erziehung ein.


Quelle:

Sustainlabour (2014): Unions4climate. Reducing emissions from the workplace and creating jobs – 4 European case studies.