„Our public transport“: Kampagne der International Transport Workers‘ Federation

Im Jahr 2010 verabschiedete die ITF, die internationale Transportarbeitergewerkschaft, eine ambitionierte Politik zu Klimawandel und Verkehr. Diese Strategie wurde von einem umfassenden Dokument geprägt, das in Zusammenarbeit mit dem Global Labour Institute der Cornell University erstellt wurde und auf einer Konferenz mit über 400 Vertretern der ITF-Mitgliedsorganisationen diskutiert wurde.

Die zentralen Punkte des ITF-Ansatzes sind:

  • Die Gewerkschaften sollten einen wissenschaftsbasierten Ansatz für Emissionsminderungen einnehmen und damit zur Festlegung und Umsetzung der notwendigen radikalen Transformationen beitragen. Allein technologische Lösungen können die Emissionen nicht auf die von der Wissenschaft geforderten Niveaus reduzieren, sondern müssen von Veränderungen in der Organisation des wirtschaftlichen und sozialen Lebens begleitet werden.
  • Die Gewerkschaften sollten einen umfassenden ökonomischen Ansatz zum Klimawandel und zur Minderung von Emissionen einnehmen, und die verschiedenen Sektoren daher als Teil eines Ganzen und nicht isoliert betrachten. Insbesondere müssen sich die Gewerkschaften, unabhängig von ihrem Sektor, mit der Energieerzeugung und -verteilung beschäftigen.
  • Die Arbeiterbewegungen müssen zu Maßnahmen beitragen, welche die demokratische Kontrolle der Wirtschaft und die Umverteilung von Reichtum stärken. Die Bewältigung der Klimakrise erfordert ein höheres Maß an öffentlichem Eigentum und demokratischer Aufsicht in jenen Sektoren, die entweder die meisten Emissionen erzeugen oder das größte Potenzial zur Reduzierung der Emissionen haben.
  • Ein gerechter Übergang für die Arbeitnehmer muss gewährleistet sein und muss die Schaffung von Arbeitsplätzen, menschenwürdiger Arbeit, einer radikalen Umverteilung von Wohlstand und eine bessere Lebensqualität für alle umfassen.
  • Die Nachfrage nach Transporten entsteht anderswo in der Wirtschaft, und das anhaltende Wachstum der Transportemissionen kann nur durch die Veränderung der derzeitigen Produktions-, Verteilungs- und Konsummuster erreicht werden. Neoliberale Verkehrspolitiken verschärfen sowohl die Umweltprobleme als auch die sozialen Probleme der Transportarbeiter, und die Gewerkschaften müssen daher den Klimakonflikt mit den größeren industriellen und sozialen Kämpfen der ArbeiterInnen verknüpfen.

Durch ein gut strukturiertes politisches Bildungsprogramm, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Deutschland und von „Union to Union“ in Schweden unterstützt wird, hat die ITF ihre angeschlossenen Gewerkschaften in einem Prozess des kritischen Denkens und Reflektierens mobilisieren können. Über diesen Bildungsprozess wird nicht nur das Bewusstsein für die Klimaforschung und die potenziellen Konsequenzen eines gefährlichen Klimawandels erhöht, sondern es werden auch die analytischen und konzeptionellen Werkzeuge entwickelt, um den systemischen Charakter der Krise und die Alternativen zu verstehen. Der Hauptzweck besteht darin, ein kritisches Bewusstsein zu stärken, das es den Aktivisten ermöglicht, diese Perspektive in ihren Gewerkschaften auszubauen und gewerkschaftliche Handlungen auf dem Gebiet des Klimawandels und des Verkehrs zu initiieren und zu leiten. Die erste globale Aktion fand im Oktober 2015 statt, als eine aktive Gruppe von ITF-Mitgliedsorganisationen mit ArbeitnehmerInnen und Passagieren in ihren jeweiligen Städten in Kontakt getreten ist, um die Notwendigkeit eines verbesserten öffentlichen Verkehrs hervorzuheben. Es wurden Materialien zur Unterstützung dieses Prozesses sowie ein Klimawandel-Blog entwickelt.

Die ITF vertieft nun ihre Klimawandel-Aktivitäten unter dem Motto „Our public transport“, indem sie ein globales Programm zur Stärkung der organisatorischen Maßnahmen für Kampagnen im öffentlichen Verkehr entwickelt. Dieses Programm verbindet industrielle Auseinandersetzungen der Gewerkschaften mit dem größeren ökologischen und politischen Kampf jenseits des Arbeitsplatzes, um Emissionen zu verringern, den Zugang zur Mobilität zu erhöhen, Millionen von Arbeitsplätzen zu schaffen und die Lebensqualität in den Städten zu verbessern. Die Herausforderung besteht darin, Allianzen zu bilden, die genug Energie mobilisieren können, die notwendig ist, um radikale öffentliche Verkehrslösungen weltweit zu forcieren.


Quelle:

Asbjørn Wahl (2016): The role of labour in the fight against climate change; darin Fallstudie von Alana Dave, ITF education officer and “Our Public Transport” programme leader

Weitere Links:

ITF – International Transport Workers’ Federation

https://twitter.com/ITFglobalunion

http://www.itfglobal.org/en/resources/training-education/itf-climate-change-conference-discussion-document/

http://www.itfglobal.org/en/cross-sectoral-work/climate-justice/

http://www.itfclimatechangeblog.org/

http://www.itfglobal.org/media/1258258/uitp-itf-climate-leadership-joint-declaration.pdf

ITF-Kampagne “Our Public Transport”

https://www.youtube.com/watch?v=P9MF4UIJJa4

https://twitter.com/hashtag/ourpublictransport?src=hash

http://www.itfglobal.org/en/cross-sectoral-work/climate-justice/in-focus/climate-action-day/

http://www.itfglobal.org/en/news-events/press-releases/2016/december/itf-and-uitp-unite-to-promote-public-transport-to-tackle-climate-change/

European Transport Workers’ Federation