Die Klimakoalition / Belgien

Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Belgien ist einer der höchsten der Welt: Mehr als die Hälfte der belgischen ArbeitnehmerInnen sind Teil einer Gewerkschaft. Die drei großen Gewerkschaften ACV-CSV, ABVV-FGTB und ACLVB-CGSVBD bilden die Klimakoalition und zählen zusammen mit weiteren kleineren Gewerkschaften etwa 3,5 Millionen Mitglieder. Insgesamt stieg die Mitgliederanzahl innerhalb der vergangenen 10 Jahre um 13%.

Voraussichtlich wird Belgien die im Energie- und Klimapakt vereinbarten Ziele einer Reduktion der Treibhausgase von 15% zwischen 2005 und 2020 verfehlen. In den meisten Wirtschaftsbereichen sank die Klimabelastung zwar, doch in den Bereichen Verkehr und Wohnen stiegen die Emissionen in den vergangenen Jahren an.

Die Gewerkschaften in Belgien versuchen seit einigen Jahren die Aufmerksamkeit für das Thema Klimawandel zu erhöhen und fordern deutliche Aktionen von der belgischen Regierung sowie von den Europäischen Institutionen. Eine der vielen Initiativen nennt sich „Ökoscheck“ („Ecocheques“) und besteht aus einem kollektivvertraglich vereinbarten Lohnzuschlag für den Kauf von umweltverträglichen Produkten und Dienstleistungen. Dadurch werden die Aufmerksamkeit und die Verbreitung von grünen Produkten erhöht und gleichzeitig grüne Wirtschaftsbereiche unterstützt.

Während des dritten ITUC-Weltkongresses und im Rahmen der Unions4Climate-Initiative vereinbarten die belgischen Gewerkschaften ACV-CSV, ABVV-FGTB und ACLVB-CGSVBD bindende Klimaziele von der Regierung einzufordern. Dazu zählen die Reduktion des heimischen Treibhausgasausstoßes um mindestens 40% bis 2030 und die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien auf mindestens 30% als EU-Ziel, das darüber hinaus als verpflichtendes Ziel in den jeweiligen Mitgliedsstaaten verankert werden soll. Die Gewerkschaften tragen ebenso die Forderung nach einer Erhöhung der Energieeffizienz um 40% bis 2030 mit. Neben diesen Umweltforderungen, treten die belgischen Gewerkschaften für die Schaffung von 60.000 Arbeitsplätzen ebenfalls bis 2030 in umweltverträglichen Wirtschaftssektoren ein.

Der belgische Arbeitsmarkt kam im Vergleich zu weiteren OECD-Ländern relativ gut durch die Krise. Ein ausgefeiltes System der Sozialpartnerschaft basierend auf Absprachen zwischen diversen sozialen Akteuren führte zu einer dynamischen, flexiblen und geschützten ArbeitnehmerInnenschaft. Trotz dieser positiven Entwicklungen stieg die Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2014 auf 23,2% und liegt damit deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 16,3%.

Die belgischen Gewerkschaften zielen deshalb gleichzeitig darauf ab, die Klimabelastung zu reduzieren und die Beschäftigung mit einem Ausbau der ökologischen Wirtschaftsbereiche zu fördern. Die von der belgischen Klimakoalition gestartete Jobs4Climate-Kampagne, ein weites Netzwerk von Gewerkschaften, Umweltorganisationen, Jugendgruppen und weiteren sozialen und Kulturellen Vereinigungen aus den flämischen wie wallonischen Landesteilen, verlangt Investitionen in Energieeffizienz, Altbausanierung, erneuerbare Energie, intelligente Netze und nachhaltige Formen des Transports, wodurch geschätzt 60.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Belgien geschaffen würden.

Im April 2014 musste sich Belgien vor dem europäischen Gerichtshof wegen der mangelhaften Umsetzung der EU-Richtlinie über die Energieeffizienz von Gebäuden verantworten. Deshalb tritt die Jobs4Climate-Kampagne dafür ein, dass die belgische Regierung die Sanierung von Altbauten unterstützt. Gefordert wird von den Gewerkschaften, dass doppelt so viele Gebäude wie derzeit renoviert und zusätzlich 10.000 Nullenergiehäuser – eine Weiterentwicklung des Passivhauses – als soziale Wohnbauten in Auftrag gegeben werden.

Zusätzlich sollen laut den Gewerkschaften mehr Geld für Investitionen im Bereich erneuerbare Energie eingesetzt werden. Dadurch sollen 20.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und gleichzeitig die Luftverschmutzung reduziert werden. So fordern die Gewerkschaften auch für den Transportsektor, welcher seit dem Jahr 1990 um 30% anstieg, große öffentliche Investitionsvolumen für den Bahnstreckenausbau und 12.000 Kilometer an neuen Fahrradwegen.


Quelle:

Sustainlabour (2014): Unions4climate. Reducing emissions from the workplace and creating jobs – 4 European case studies.