Gründung der Gebäudeallianz Nordrhein-Westfalen für Klimaschutz

Beim Klimaschutz in Nordrhein-Westfalen wird sehr viel über Strom und sehr wenig über Wärme geredet. Dabei entfallen rund 40 % der Energie-Bilanz auf Raum-Heizung und Warmwasser-Versorgung. Die energetische Sanierung von Gebäuden ist ein Schlüssel zum Gelingen der Energiewende. Doch bei der Wärmewende geht es bislang nur schleppend voran.

Das Ziel der im Juli 2016 gegründeten Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz ist es, den Klimaschutz in den Bereichen Wohnen und Bauen voranzutreiben und gemeinsam erarbeitete Schwerpunkte und Interessen in den politischen Raum in Nordrhein-Westfalens einzubringen.

Zu den Beteiligten der Gebäudeallianz gehören die Spitzenverbände der einschlägigen Unternehmensbranchen auf Landesebene, DGB NRW, IG BCE Nordrhein, IG BAU Rheinland, Umwelt-, Naturschutz-, Verbraucher- und Sozialverbände. Gemeinsam will man die Umsetzung der nordrhein-westfälischen und der nationalen Klimaschutz-Ziele im Bereich Wohnen und Bauen konstruktiv und kritisch begleiten. Nach einem intensiven Vorbereitungsprozess konnten sich die Beteiligten auf gemeinsame Forderungen einigen, die in die gemeinsame Erklärung der Allianz eingeflossen sind.

Mitglieder der Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz

  • Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
  • Baugewerbliche Verbände
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland für NRW
  • Deutscher Gewerkschaftsbund Bezirk Nordrhein-Westfalen
  • Deutscher Mieterbund Nordrhein-Westfalen
  • Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen
  • Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Rheinland
  • Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Nordrhein
  • Naturschutzbund Nordrhein-Westfalen
  • Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag
  • Wohnungswirtschaft im Westen
  • Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Die Gründung der Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz ist ein konkretes Resultat des Dialogs im Rahmen des KlimaDiskurs.NRW. Die Gebäudeallianz wird dementsprechend durch den KlimaDiskurs.NRW e.V organisiert. Der KlimaDiskurs.NRW ist ein parteipolitisch unabhängiger Zusammenschluss von Unternehmen, Gewerkschaften, Verbänden/Vereinen, Kommunen, Kirchen und wissenschaftlichen Einrichtungen in NRW. Der gemeinnützige Verein begleitet gleichermaßen kritisch und konstruktiv die zentralen klima- und energiepolitischen Prozesse. Ziel ist es, den Diskurs zum Thema Klimaschutz zwischen allen relevanten Akteuren in NRW zu institutionalisieren, um blockierende Interessensgegensätze zu überwinden. Der KlimaDiskurs.NRW e.V. wird von der Stiftung Mercator sowie der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen gefördert.

Ziele der Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz

Die durchschnittliche jährliche energetische Sanierungsrate soll laut dem Klimaschutzplan NRW gesteigert werden. Das Ziel ist also definiert, die Technik ist vorhanden, allerdings sind jetzt bereits unterschiedliche Geschwindigkeiten und Wege zur Zielerreichung zu beobachten. Der Prozess bedarf bereits vorhandener, aber auch neuer Lösungsansätze, die teils noch unter Einbezug verschiedener Akteursgruppen erarbeitet werden müssen. Die wichtigsten Stakeholder in diesem Prozess haben sich daher für NRW in der Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz zusammengeschlossen. Als politische Vertretung von gemeinsamen Interessen will die Allianz die nordrhein-westfälischen und die nationalen Klimaschutzziele im Bereich Wohnen und Bauen konstruktiv und kritisch begleiten und darüber informieren. Auch wenn der Zusammenschluss eine stetige Austausch- und Diskussionsplattform der verschiedenen Akteure und ihren Interessen sein wird, so konnten sich diese bereits auf zentrale Forderungen einigen, die als Leitplanken für das Ausloten gemeinsamer Standpunkte und Überschneidungen dienen. Demnach braucht die Energiewende zunächst den Fokus auf folgende Maßnahmen: Auf eine Wärmedämmung, die ökologisch effizient und verträglich, wirtschaftlich rentabel und baukulturell zuträglich ist, auf effizientere Wärme- und Kälteerzeugung, bei der versträkt erneuerbare Energien zum Einsatz kommen und auf den Ausbau NRWs zum Forschungslabor für Gebäude und Quartiere – ohne dabei aber den Blick auf einen sozialverträglichen Umbau zu verlieren.

Die Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz will auch aktuell drängende Themen – etwa die Zuwanderung von geflüchteten Menschen und die entstehenden zusätzlichen Bedarfe an bezahlbarem Wohnraum – nicht aussparen. Vor diesem Hintergrund möchte die Allianz die Diskussion darüber aufgreifen, bauliche Verfahren und Standards zu verbessern. Es ist den mitwirkenden Verbänden und Kammern wichtig zu betonen, dass es im Kern darum gehen muss, die klimaschutzpolitischen Ziele einzuhalten und zugleich bauliche Verfahren so zu gestalten, dass sie schneller abzuwickeln sind und Mieter nicht durch die Baukostenentwicklung überfordert. Es geht um eine effektive Wiederbelebung des sozialen Wohnungsbaus, verbunden mit schnellen Genehmigungsverfahren für die Schaffung von energetisch effizientem und preiswertem Wohnraum. Die Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz ist davon überzeugt, dass eine gesellschaftliche Diskussion darüber notwendig ist. Diese muss auch Fragen aufgreifen und beantworten, wie für die Politik mittel-und langfristig Klimaschutz und soziale Ausgewogenheit bei einer ausreichenden Fläche von bezahlbarem Wohnraum finanzierbar ist.

Energetische Sanierung sozialverträglich gestalten

Besondere Dringlichkeit erkennen die Beteiligten bei den Themen:

  • Sozial-, klima- und naturverträgliche Umsetzung energetischer Sanierung
  • Quartiersbezogene Konzepte
  • Schaffung von Anreizen für Investitionen mit Vorrang vor verordnetem Sanierungszwang.

Aus Sicht der Gewerkschaften kann es nicht nur um eine Beschleunigung energetischer Sanierung gehen, sondern auch um eine hochwertige Umsetzung. Dabei ist den Gewerkschaften die Sozialverträglichkeit des Wandels besonders wichtig, nicht zuletzt die Sicherung der qualifizierten Facharbeit und guter Tarif- und Arbeitsbedingungen.


Quellen:

Pressemitteilung DGB NRW (7.7.2016)

Pressemitteilung Klimadiskurs NRW (7.7.2016)

Gemeinsame Erklärung der Gebäudeallianz NRW für Klimaschutz (PDF, 465 kB)

https://youtu.be/zET1faea_90

https://www.klimadiskurs-nrw.de/

https://www.klimaschutz.nrw.de/klimaschutz-in-nrw/klimaschutzplan/