Solarstrom der Belegschaftsgenoss. / VW-Werk Emden

Den Klimaschutz im Betrieb selbst in die Hand nehmen, das kann man auf viele Arten. Im VW-Werk Emden wurde bereits Anfang der 1990er Jahre über Windenergie in Kollegenhand diskutiert. Daraus entstand 2008 die erste Belegschaftsgenossenschaft für regenerative Energien in Deutschland. Seitdem speist eine Solarstromanlage auf einem Werkdach – symbolischer Mietpreis ein Euro – jedes Jahr eine Strommenge, die dem Verbrauch von rund achtzig Vier-Personen-Haushalten entspricht, in das bilanzeigene Stromnetz am Standort ein.

 Die 227 Genossenschaftsmitglieder erhalten eine stabile Rendite. Eine Mindestanteilshöhe von 250 Euro (maximal 10.000 Euro) stellte bei Gründung sicher, dass allen Beschäftigten eine Mitgliedschaft unabhängig vom Einkommen möglich war. Auf Initiative des Betriebsrats wurde eine Arbeitsgruppe gebildet und die Genossenschaft in der politischen Arbeit der IG Metall-Fraktion des Betriebsrates verankert. Der Genossenschaftsverband Weser-Ems half bei Gründung und Betriebsführung. In kurzer Zeit waren 150 Kolleginnen und Kollegen gewonnen und 400.000 Euro Eigenkapital zusammen. Mit einem Investitionsvolumen von über 1,34 Mio. Euro und einer hohen Eigenkapitalquote stand den Initiatoren eine solide Gründungsfinanzierung zur Verfügung.

Solarstrom am VW-Werk Emden

Die Werkleitung stellte ein geeignetes Hallendach zur Verfügung. Ein Jahr später wurde die Anlage auf 370 Kilowatt Peak (kWp; 1 kWp Anlagenleistung entspricht rund acht bis zehn Quadratmetern) Leistung erweitert. Sie finanziert sich durch die Einspeisevergütung des EEG und hat bisher jedes Jahr leichte Dividende abgeworfen. 2010 erhielt die „Volkswagen Belegschaftsgenossenschaft für regenerative Energien am Standort Emden eG“ den Deutschen Solarpreis. Jährlich werden knapp 300.000 Kilowatt-Stunde (kWh) Sonnenstrom in diesem nachahmenswerten Modell erzeugt und mindestens 180 000 Kilogramm CO2 vermieden.

Solche Belegschaftsinitiativen könnten – neben den bisher über 700 deutschen Bürger-Energiegenossenschaften – wichtige Akteure der Energiewende werden. Das innovative Partizipationsmodell ist ein Beispiel zum Nachmachen. Dazu der maßgebliche Initiator, Martin Refle, IG Metall Fraktionssprecher im VW-Werk Emden: „Die Energiewende ist das zentrale Projekt der deutschen Politik und Wirtschaft. Sie ist das zentrale Element, um die deutschen CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren. Mit ihr entstehen große Märkte, das bietet Chancen und schafft Arbeitsplätze. Mit einer Belegschaftsgenossenschaft können Unternehmen und Beschäftigte den Klimaschutz unterstützen und gleichzeitig den Betrieb ein Stück energieautonomer machen. Es braucht dazu nur einen Initiator wie zum Beispiel den Betriebsrat und Unterstützung durch die Geschäftsführung. Zu den Vorteilen gehören neben dem Imagegewinn für das Unternehmen eine stabile Rendite für die Mitglieder und eine positive Mitarbeiterbindung.“

Umfangreiche Hinweise zur Gründung einer Genossenschaft liefert das Handbuch für Betriebsräte „Belegschaftsgenossenschaften für regenerative Energien“. Weitere Informationen finden sich unter „Belegschaftsgenossenschaften zur Förderung der Energiewende. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Geschäftsideen, Beispiele“.


Quellen:

IG-Metall Broschüre “Do You Speak Climate”, S. 25-26

 

Weiterführende Links:

IG-Metall: Energiewende – Wie wird sie ein Erfolgsmodell

Genossenschaften in Deutschland

Volkswagen Belegschaftsgenossenschaft für regenerative Energien am Standort Emden eG auf Energiewende Jetzt

Kontakt:

Volkswagen Belegschaftsgenossenschaft für regenerative Energien am Standort Emden eG
Büro des Betriebsrates Niedersachsenstraße
26703 Emden, Niedersachsen
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