Interview mit ÖGB-Präsident Erich Foglar zu Gewerkschaften im (Klima-)Wandel anlässlich der Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts TRAFO LABOUR

Im vom Klima- und Energiefonds geförderten Forschungsprojekt TRAFO LABOUR wurde von 2014 bis 2016 die Rolle der Interessenvertretungen österreichischer ArbeitnehmerInnen bei der Gestaltung des sozial-ökologischen Wandels erforscht. ÖGB-Präsident Erich Foglar hat die öffentliche Abschlussveranstaltung am 7.11.2016 in der Urania eröffnet, in dessen Rahmen das nachfolgende Interview geführt wurde.

I: Wie sehen die Gewerkschaften die klimapolitischen Herausforderungen?

Foglar: Der Klimawandel ist eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit. Aus Sicht des ÖGB und seiner Gewerkschaften braucht es einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigen Produktions- und Konsumweise. Dabei dürfen wir uns nicht auf rein technische und marktbasierte Lösungen verlassen. Schließlich haben unter anderem der freie Markt und das Prinzip der Selbststeuerung über Profite den Klimawandel entscheidend vorangetrieben. Wir müssen alles daransetzen, die Trendwende in der Klimapolitik nicht zuletzt durch internationale Initiativen wie die Vereinbarungen im Pariser-Klimaabkommen von 2015 zu erreichen.

I: Welche Vorbehalte gab es früher gegen die Klimapolitik, wie ist das heute?

Foglar: Es geht darum, den CO2-Verbrauch weltweit stark einzuschränken. Gleichzeitig darf die eigene Industrie, welche mittlerweile hohe Umweltstandards einhält, als einer der wichtigsten Wertschöpfungs- und Beschäftigungsbereiche nicht geschädigt werden. Dieses Spannungsfeld hat in der Vergangenheit manchmal dazu geführt, dass bestimmte Maßnahmen von Gewerkschaftsseite kritisiert wurden. Bei der Bewältigung des Klimawandels dürfen wir nicht auf die ArbeitnehmerInnen selbst und ihre Interessen vergessen. Nur dann werden wir ausreichend Rückhalt in der Bevölkerung für notwendige Veränderungen in der Klima- und Umweltpolitik und für ein nachhaltiges ökologisch-soziales Wirtschaften bekommen.

I: Würden diese Änderungen auch Chancen für ArbeitnehmerInnen bringen?

Foglar: Chancen eröffnen sich vor allem dann, wenn es eine umsichtige staatliche Steuerung des ökologischen Wandels gibt und die richtigen umwelt-, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Entscheidungen auf europäischer Ebene abgestimmt und koordiniert getroffen werden. Bei der Entwicklung und Implementierung alternativer Technologien können neue hochwertige Arbeitsplätze entstehen. Das gilt natürlich im Speziellen für den Bereich der erneuerbaren Energien. Ein Beschäftigungsplus ist z.B. durch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur sowie durch verstärkte thermische und energetische Sanierungen zu erwarten.

I: Was sind Kernforderungen der Gewerkschaften für faire klimapolitische Maßnahmen?

Foglar: Grundsätzlich plädieren wir für eine breite gesellschaftliche Debatte auf Basis wissenschaftlicher Fakten. Die Art und Weise unseres Wirtschaftens und Konsumierens muss sich rasch und tiefgreifend ändern. Wir benötigen eine Ökologisierung aller Lebensbereiche. Das betrifft in erster Linie die Bereiche Wohnen, Verkehr sowie die Erzeugung von Produkten und Dienstleistungen. Gleichzeitig sollen ökologische Umgestaltungen die finanziell schwachen Bevölkerungsschichten nicht noch stärker belasten. Der Kampf gegen den Klimawandel darf nicht auf Kosten der Lebensqualität und Chancen Einkommensschwacher geführt werden. Wir müssen insbesondere die Frage der Verteilung von Ressourcen und des Zugangs zu diesen wieder stärker in den Fokus rücken, weshalb eine Demokratisierung in Wirtschaftsfragen auch dringend benötigt wird.

Quelle: Wirtschaft&Umwelt, Nummer 4/2016, Seite 9

 

Gutes Leben für alle! Kongress am 9. – 11. Februar 2017 an der WU Wien

Von 9. – 11. Februar 2017 findet an der WU Wien der zweite Kongress „Gutes Leben für alle!“ statt. Die AK Wien ist daran umfassend beteiligt. Die „Gutes Leben für alle“-Kongresse sind Vernetzungsräume, in denen über zeitgemäße Utopien diskutiert wird. Sie sollen als Kompass dienen, um in der aktuellen Übergangszeit emanzipatorische Alternativen und neue Ansätze hin zu einem transformierten Wirtschafts- und Gesellschaftssystem auszuloten. Die Kongresse fördern Lern-, Such- und Forschungspartnerschaften für nachhaltige Lebens- und Produktionsweisen.

Mehr Informationen und Anmeldung: www.guteslebenfueralle.org

Europäischer Gewerkschaftsbund liefert detaillierte Analysen zur Klimapolitik in sieben europäischen Industrieregionen

„Towards just transition?“, d.h. die Frage nach der gerechten Gestaltung einer sozial-ökologischen Transformation, war der Ausgangspunkt eines 2016 abgeschlossenen Projekts des Europäischen Gewerkschaftsbunds. In dieser ETUC-Studie wurde die Klimapolitik in sieben industriell geprägten europäischen Regionen untersucht, wobei die jeweilige Beteiligung der Gewerkschaften am Transformationsprozess im Zentrum steht. Die involvierten Regionen waren Yorkshire and the Humber (UK), Nordrhein-Westfalen (Deutschland), Asturien (Spanien), Antwerpen (Belgien), Norrbotten (Schweden), Stara Zagora (Bulgarien) und Schlesien (Polen).

Mehr Informationen:

Bericht mit einer Zusammenfassung der Projektergebnisse (deutschsprachig)

Ergebnisberichte zu den involvierten Regionen

Endbericht Konsultationsprozess zum Grünbuch für eine integrierte Energie- und Klimastrategie in Österreich

Auf Basis des im Juni 2016 veröffentlichten Grünbuchs für eine integrierte Energie- und Klimastrategie in Österreich wurde ein umfassender Konsultationsprozess mit dem Ziel eingerichtet, die Meinung und Positionen der Stakeholder sowie einer breiten Öffentlichkeit einzuholen. Im nun vorliegenden Endbericht zum Konsultationsprozess finden sich die Ergebnisse des Online-Konsultationsprozesses sowie gesammelte Positionen, die in sechs Arbeitsgruppen entwickelt wurden.

Umwelt und Verteilungsgerechtigkeit: Themenschwerpunkt Wirtschaft & Umwelt 3/2016

Was Umweltschutz mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat und wieso verteilungspolitische Aspekte der Klimapolitik wichtig sind, lesen Sie in einem Themenschwerpunkt der AK-Zeitschrift Wirtschaft & Umwelt, Ausgabe 3/2016

Mehr Informationen: http://www.ak-umwelt.at/?issue=2016-03

Download: http://www.ak-umwelt.at/media/filer_public/2016/10/26/ak_wirtschaftundumwelt_0316_lowres_final.pdf

Präsentation Kurswechsel Heft 3/2016 „Klimapolitik und Systemwandel“ am 24.11.2016 in Wien

Diese Ausgabe der Zeitschrift Kurswechsel gibt einen Überblick über aktuelle Diskussionspunkte rund um Klimawandel und Klimapolitiken und stellt deren gesellschafts- und wirtschaftspolitische Bearbeitungen in den Mittelpunkt der Analyse. Das Heft fragt nach der Rolle neuer technologischer Entwicklungen wie auch nach dem Verhältnis von Umweltbewegungen zu Gewerkschaften oder der Tragfähigkeit neuer zivilgesellschaftlicher Alternativen. Die ökologische Frage wird im Zusammenhang mit der sozialen Frage verstanden, wodurch verteilungspolitische Aspekte erörtert sowie Klimagerechtigkeit und die Notwendigkeit eines Systemwandels in den Vordergrund gerückt werden.

Präsentation im Rahmen einer Diskussionsrunde am Donnerstag, 24. November 2016, 19:00 Uhr im Republikanischer Club, Rockhgasse 1, 1010 Wien

Beiträge Kurswechsel Heft 3/2016 Schwerpunkt Klimapolitik und Systemwandel

Michael Soder, Florian, Wukovitsch: Editorial (PDF)

Christoph Streissler: Dekarbonisierung des Wirtschaftssystems. Notwendigkeiten und Möglichkeiten

Hanspeter Wieland: Der Carbon Footprint Österreichs. Eine Zeitreihenanaylse von 1970 bis 2012

Camila Moreno: Carbon Metrics and the Paris Agreement

Dimitris Stevis, Romain Felli: Green Transitions, Just Transitions? Broadening and Deepening Justice

Nora Räthzel: Arbeiter- Frauen- und Umweltbewegungen. Gegensätze und Gemeinsamkeiten am Beispiel zweier Lebensgeschichten aus Brasilien

Magdalena Heuwieser: System Change, not Climate Change! Perspektiven der kritischen Zivilgesellschaft

Monika Mayrhofer, Florian Mersmann: Displaced, Evicted or Resettled by Climate Change Measurees. Neglecting the Rights of Affected Communities in the Case of the Bujagali Hydropower Plant

Karin Schanes, Karin Dobernig, Burcu Gözet: Climate Change & Consumption – An Inseparable Couple?

 

Elektroautos: Top in Norwegen, Flop in Deutschland (und Österreich)?

Norwegen steigt auf E-Autos um: Ab 2025 sollen in Norwegen nur noch E-Autos verkauft werden. Die norwegische Verkehrsbehörde fordert im „National Transit Plan“ für die Jahre 2018 bis 2029, dass der Straßenverkehr in Norwegen klimaneutral werden müsse. Dazu soll der Verkauf von Verbrennungsmotoren aller Art unterbunden werden und ab 2025 sollen keinerlei neue Autos mit konventionellen Motoren, also Benzin oder Diesel, mehr verkauft werden. Neufahrzeuge sollen ausschließlich rein elektrisch oder mit Brennstoffzelle betrieben werden. Mit Einschränkungen betrifft die geplante Änderung auch den Lieferverkehr, Fernreisebusse, LKWs und den Schiffsverkehr. Aus den Gewinnen der Erdölförderung unterstützt Norwegen den Kauf von Elektrofahrzeugen bisher mit stattlichen Boni. Künftig sollen die Steuern für Benzin- oder Dieselmodelle erhöht werden – und diese dadurch weiter unattraktiv machen. 2014 wurden in Norwegen knapp 18.000 Elektroautos verkauft, bei nur fünf Millionen Einwohnern. In Deutschland wurden im selben Jahr weniger als 9.000 E-Autos verkauft – bei 80 Millionen Einwohnern.

 

Quelle: Forum Nachhaltig Wirtschaften 2/2016, S. 8

Vgl. dazu auch: „Elektroautos: Top in Norwegen, Flop in Deutschland?“ In: GAIA 25/1(2016): 38 – 48

Überblick über Gewerkschaftsaktivitäten zur Bekämpfung des Klimawandels aus europäischer und amerikanischer Perspektive

Die Internetplattform „AdaptingCanadian Work and Workplaces to Respond to Climate Change“ ist eine gute Quelle für internationale Materialien zu gewerkschaftlichen Aktivitäten im Bereich Klimawandel.

Nachfolgend finden sich zwei aktuelle Berichte mit Überblicken über Gewerkschaftshandeln aus europäischer und amerikanischer Sicht

Fred Steward (2016): ACW Draft Baseline Subreport – Policies and Practices to Promote Work Enhancing Pathways in the Transition to a Low Carbon Economy in Europe

Stevis Dimitris (2016): ACW Draft Baseline Subreport – Labor Unions and Green Transitions in the U.S.

Lebensmittel-Abfallvermeidung in Betrieben: Arbeitsgruppe stellt Good-Practice-Katalog zusammen

 

Das Österreichische Ökologie-Institut erarbeitet derzeit im Auftrag von ECR Austria, einer Kooperationsplattform zwischen Handels- und Hersteller-Unternehmen, eine Sammlung von Good-Practice-Beispielen zur Lebensmittelabfallvermeidung in Betrieben.

Im Rahmen der Arbeitsgruppe Abfallwirtschaft wurden alle 116 Mitglieder der ECR Austria eingeladen, Maßnahmen ihrer Betriebe zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen einzureichen. Im Mittelpunkt dieser Arbeitsgruppe steht die Verbesserung des Abfallmanagements und die Ausarbeitung einer Abfall-Vermeidungs-Empfehlung, welche die ganze Supply Chain behandelt. Die Arbeitsgruppe wird den erwarteten 400 TeilnehmerInnen des ECR-Infotages am 17.11.2016 herausragende Beispiele als Good-Practice-Katalog präsentieren. Das Projekt wird kofinanziert durch die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel-und Verwertungssysteme für Verpackungen.

Mehr Informationen hier…

Quelle: Verband Abfallberatung Österreich

 

AK-Broschüre Büro und Umwelt – der umweltfreundliche Arbeitsplatz

 

Energie besser nutzen, nachhaltige Büromaterialien verwenden, mehr Grün im Büro, gesünder essen oder spritsparender zur Arbeit fahren: Das schont nicht nur unsere Umwelt. Es verbessert auch das Wohlbefinden der über 1,4 Millionen Menschen, die in Österreich im Büro arbeiten. Eine Vielzahl an hilfreichen Tipps und Infos finden Sie in der Broschüre „Büro und Umwelt – der umweltfreundliche Arbeitsplatz“. Damit Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen in einem guten und gesunden Umfeld arbeiten können.